Gerade ging hier in Berlin die Grüne Woche 2023 zu Ende. Bei unserer Lieblingsserie MADDRAX haben die Grünen Wochen eben erst begonnen.

Cover von Band 601

Dabei hat sich mir nach den ersten Seiten des neuen Romans zuerst eine zentrale Frage gestellt: Ist Lara Möller nur ein weiteres Pseudonym des MADDRAX-Vielschreibers Florian Hilleberg, der sonst als Ian Rolf Hill schreibt?

Nein, wahrscheinlich nicht. Das Interview in Tanjas Podcast PODDRAX belegt, dass Lara Möller kein weiteres Pseudonym von Florian Hilleberg ist. Außerdem hat die Autorin bereits einige Romane in anderen Verlagen veröffentlicht. Wie ich überhaupt auf die Idee komme? Band 601, und damit ihr erster eigenständiger Beitrag zur MADDRAX-Serie, beginnt mit der gleichen schnoddrigen Ausdrucksweise der Hauptcharaktere, für die auch Ian Rolf Hill bekannt ist. Für die Militärsprache kann sie natürlich nichts – die haben wir wohl den letzten verbleibenden Dark Force Soldaten zu verdanken. Und es wäre natürlich schlecht, wenn dieser Ton nun einfach ein Ende finden würde und die Charaktere plötzlich anders drauf wären.

Was mich dann aber doch etwas verwundert hat waren die Gedanken unseres Commanders, also der Hauptfigur dieses Romans:

Aber im Nachhinein war man stets der schlaueste Keks in der Dose.

Matthew Drax

In dieser Szene bereut es unser Weltenretter, nicht noch einen zweiten roten Diamanten von Bord der USS NIMITZ entwendet zu haben. Mich fasziniert nicht mal unbedingt nur diese Redewendung, die mir in dieser Form bisher noch nicht untergekommen ist, sondern viel mehr die Arroganz, die da bei unserem Commander durchscheint. Immerhin hat er den roten Diamanten vom Flugzeugträger ohne zu fragen entwendet. Heutzutage nennt man das Diebstahl. Was wäre, wenn diese roten Diamanten, in welcher Form auch immer, dem Volk dort im Dschungel das Überleben sichert?

Klar, man kann sagen, dass der erste rote Diamant im Affekt entwendet wurde – die Situation wurde im letzten Roman durch Ian Rolf Hill als eher hektisch beschrieben. Aber diese unerlaubte Eigentumsübertragung dann im Nachhinein nicht zu bereuen, sondern – ganz im Gegenteil – sich sogar zu wünschen noch einen weiteren eingesteckt zu haben? So kenne ich meinen Commander eher nicht…

Der Anfang dieses Romans hat es mir echt nicht leicht gemacht – trotz Lagerfeuerromantik im Peruanischen Dschungel. Dafür kam ich dann im zweiten Drittel voll auf meine Kosten. Eine Luke im Wald? Das erinnerte mich aber sowas von an meine damalige Lieblings-TV-Serie LOST! Die hab ich schon weg gebingt , als es das Wort „binge watching“ noch gar nicht gab! 😉

Eine Luke, die Spannung was dahinter verborgen liegen mag und eine üppige Vegetation waren damals auch schon die Hauptzutaten – zumindest in der ersten Staffel. Und natürlich – nicht zu vergessen – pro Folge mindestens ein neues Geheimnis. Wenn eins gelüftet wurde, dann gerne auch zwei, aber auf jeden Fall immer so, dass mehr Geheimnisse dazukommen. Bei MADDRAX wäre das nun, nach der USS NIMITZ im letzten Band, ein unterirdisches Versuchslabor sowie ein Maya-Tempel samt Indigenem Stamm.

Eintrag im Duden – Quelle: duden.de

Apropos Indigener Stamm: Schade, dass sich weder Autorin noch Redakteur um einen sensiblen Sprachgebrauch bemühen. Der Begriff „Indio“ hat in vielen lateinamerikanischen Ländern eine negative Konnotation und wird als abwertend angesehen. Der Duden weißt darauf hin, dass dieser Begriff diskriminierend ist, während andere Wörterbücher von der Verwendung abraten. Warum er trotzdem noch immer, und dazu gleich 33 mal in diesem Fall, in Heftromanen verwendet wird, bleibt mir ein Rätsel. Hier hätte ich mir gewünscht, dass eine respektvollere und zeitgemäßere Terminologie verwendet worden wäre. So wird das Klischee des angestaubten Heftromans als Medium von anno dazumal leider mal wieder voll erfüllt – und das hat die großartige und innovative Serie MADDRAX einfach nicht verdient!

Schrieb ich schon, dass ich die Idee mit dem unterirdischen Labor klasse finde und sehr gespannt darauf bin, was dort tatsächlich untersucht wurde? Das mit Strahlentest zu den roten Kristallen finde ich etwas zu einfach und ich bin mir sicher, dass sich das Autorenteam da noch etwas anderes einfallen lassen hat.

Die Untersuchung des Tempels der Jaguargöttin fand ich von Lara Möller super geschildert. Gerade im Kontrast zu dem Vorgängerroman aus der Feder von Ian Rolf Hill, hat sie einen sehr viel ausführlicheren Schreibstil und „rennt“ nicht so sehr durch die Szenen. Im Tempel kam eine großartige Spannung auf!

Für mich unerwartet kam dann zuerst der Tod von Ricc Boston an den sich unmittelbar auch der von Marisa Dschenn anschloss. Ricc weine ich keine Träne nach – der war ein ungehobelter Klotz. Aber bei Marisa sieht das schon anders aus. Ihr Tod ging mir sehr nahe, zumal ich sie zwei Szenen zuvor eigentlich schon in Sicherheit wähnte. Jetzt war es das wohl erstmal mit den Soldaten der Dark Force. Obwohl ich ahne, dass da noch eine Rettungsaktion von und mit Dark-Force-Soldaten kommen wird.

Die Gefangennahme durch die acht Mayaa-Frauen ging mir dann etwas schnell, so wie auch der Gefangenentransport vom Tempel zum Dorf der Mayaa. Hier hätte ich mir auch gut einen Reiseroman à la Band 20 mit dem Titel „Zug der Verlorenen“ vorstellen können. Diesen haben wir erst vor kurzem als Hörbuch auf unserem YouTube-Kanal veröffentlicht, weshalb die Erinnerung an einen tollen Reiseroman mit Krimi-Elementen bei mir noch sehr frisch ist.

Im Mayaa-Dorf angelangt haben Matt dann nicht so viel über dieses neu eingeführte Volk erfahren, aber das finde ich auch okay. Da werden die nächsten Bände sicherlich noch einiges mehr verraten.

Dafür fand ich den Epilog sehr spannend und wir erfahren dort etwas mehr über zwei, scheinbar wichtige, Leute der USS Nimitz. Die Wissenschaftlerin, der Matt und Haaley zuletzt zur Flucht aus dem Mayaa-Dorf verhalfen und den Kommandanten der USS NIMITZ, Rosaria Quispe.

Ich finde es toll, dass diese Charaktere auch weiterhin im Dunkeln gehalten werden. So wissen wir auch zum Ende des Romans noch so gut wie nichts über die Motive der beiden, offenbar verfeindeten, Parteien. Auch wie diese dorthin gelangt sein sollen bleibt mir weiterhin ein Rätsel. Hat jemand von euch eine Idee? Wenn ja, schreibt es mir gerne in die Kommentare!

Zum Schluss noch ein Kritikpunkt zur Umsetzung als E-Book. Diese Blogserie soll ja auch weiterhin (m)eine technische Sicht bieten. Ich habe in diesem E-Book einige Kapiteltrenner vermisst. Liegt das am Satz des E-Books oder ist das auch in der Printausgabe so? Oder ist es am Ende gar nicht gewollt, dass zwischen zwei unterschiedlichen Erzählperspektiven ein Kapiteltrenner vorhanden ist? Ich für meinen teil fände es schöner, denn manchmal war ich doch etwas verwirrt, dass die Handlung plötzlich aus einer anderen Perspektive erzählt wurde.

»Sie sind ein tougher Keks, Private. Wir sollten Ihre Wunden versorgen.«

Commander Matthew Drax zur verletzten Marisa Dschenn

Ich persönlich fand, dass ich hier einen spannenden Roman lesen durfte. Ich freue mich auf weitere Bände von Lara Möller, gerne auch mal einen Zweiteiler, der ihr mehr Raum für ihren ausführlichen Schreibstil geben dürfte. Das mit den „Indios“ und den fehlenden Kapiteltrennern wertet für mich den Roman leider etwas ab und auch die ungewohnte Keks-Wortwahl von Matt lässt mich insgesamt zwei Kometen

0 Comments

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

©2024 Holger Ehrmann für den OMXFC

Log in with your credentials

Forgot your details?